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Waffenbrüder

aus dem Chronist-Wiki, der deutschen BIONICLE-Enzyklopädie
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Generation 1
Waffenbrüder.jpg

Die Webserie Waffenbrüder (engl.: Brothers in Arms) erschien von Juli bis Dezember 2008 auf BIONICLEstory.com. Sie wurde von Greg Farshtey geschrieben und überschnitt sich stellenweise mit der Webserie Der Bestimmungskrieg. Sie spielte zwischen dem Ende von Swamp of Secrets und dem Ende von The Final Battle. Die Übersetzung stammt von Nuhrii the Metruan.

Kapitel 1

Vor fünf Jahren...

Mazeka duckte sich weg, gerade als die Säureklinge dort durch die Luft schnitt, wo er gestanden war. Er konnte das zornige Zischen von jahrhundertealtem Fels hören, der sich auflöste, wo das Schwert ihn gestreift hatte. Ein Schritt langsamer und das wäre seine Rüstung gewesen.

Er kam auf dem Boden auf und rollte sich ab, sodass er am Ende wieder auf seinen Füßen war, den Dolch bereit. Vultraz wirbelte die Klinge über seinem Kopf, lächelnd. „Du wusstest, dass es dazu kommen würde, nicht wahr?“, sagte der scharlachrot gepanzerte Matoraner. „Nur wir beide, von Maske zu Maske.“

„Dies ist nicht eine deiner epischen Fabeln“, erwiderte Mazeka. „Du bist ein Dieb und ein Mörder, Vultraz. Du hast ein ganzes Dorf Matoraner getötet, die dir nie etwas getan haben.“

„Außer, dass sie etwas hatten, was ich wollte – eine intakte Lavagemme, ein seltener Fund auf der Tren-Krom-Halbinsel“, erwiderte Vultraz. „Sie wollten sie nicht herausrücken... dachten, sie besänftigt den Vulkan oder so was in der Art, dachten, sie verhindert, dass er ausbricht... ein paar zeitlich gut abgestimmte Explosionen und ein Meer aus Lava später, und sie fanden heraus, wie sehr sie sich geirrt hatten.“

Mazeka stürmte nach vorne. Vultraz machte einen Schritt zur Seit und traf seinen Feind mit der flachen Seite seiner Waffe, wodurch er den Abdruck der Waffe in seine Rüstung brannte. Mazeka stolperte zum Rand der Klippe und fing sich gerade noch rechtzeitig. Der ganze Berghang war übersät von Messerkristallen, die scharf genug waren, um Rüstung und Gewebe in Streifen zu schneiden.

„Wie oft werden wir das tun müssen?“, sagte Vultraz. „Wann wirst du erkennen, dass du kein Toa bist... nur irgendein verrückter Dorfbewohner, der denkt, er muss seinen Kragen riskieren, indem er gegen die Bösen kämpft. Geh nach Hause, Mazeka. Geh zurück zu deinem kleinen Leben, bevor du mich zwingst, es zu beenden.“

Mazeka zog sich auf die Füße, sein Rücken der Klippe zugewandt. Vultraz hatte Recht – er war nur ein Matoraner, ohne Elementar- oder Maskenkraft. Natürlich war Vultraz das auch, aber sein alter Feind hatte Jahre der Erfahrung im Lügen, Betrügen und Töten. Noch bis vor ein paar Jahren war Mazeka nur ein Gelehrter gewesen, der versuchte, die Mysterien des Universums zu lösen. Das war bevor Vultraz seinen Mentor getötet und wertvolle Täfelchen gestohlen hatte, welche die Resultate von Jahren der Forschung enthielten. Die beiden waren seither viele Male aneinander geraten, aber die Täfelchen waren nie gefunden worden.

„Leg deine Waffe nieder, alter Freund, und geh weg“, sagte Vultraz.

„Wir waren nie Freunde!“, spie Mazeka.

„Sicher waren wir das“, grinste Vultraz, „All die glücklichen Jahre, in denen wir uns in unserem kleinen abgelegenen Dorf kaputt schufteten und versuchten, nicht Makuta Gorasts Aufmerksamkeit zu erwecken. Ich war nur der Ehrgeizigere von uns beiden. Ich bin rausgekommen.“

„Und seit jenem Tag rennst du davon“, sagte Mazeka. „Zeit, dass du aufhörst, bevor du noch in etwas reinrennst, mit dem selbst du nicht fertig wirst.“

Vultraz preschte vor, schwang seine Klinge... aber nicht nach Mazeka. Stattdessen schnitt er das Stück Fels weg, auf dem sein Feind stand. Es löste sich durch die Säure auf und fiel weg. Mazeka fiel auch, klammerte sich an dem Vorsprung fest und baumelte über den Messerkristallen.

„Ich will dich wirklich nicht töten“, sagte Vultraz leise. „Du bist eine Verbindung zu meiner Vergangenheit... eine Erinnerung an all die Dinge, die zum Glück nicht aus mir wurden. Aber du kommst mir andauernd in die Quere und das kann ich nicht dulden.“

Vultraz hob die Klinge über seinen Kopf und brachte sie hinab. Mazeka schwang auf die Seite, ließ mit einer Hand den Sims los und benutzte seine Schwungkraft, um seine Beine nach oben zu bringen. Er trat Vultraz in die Seite, gerade als der Angriff jenes Matoraner ihn nach vorne trug. Die Kombination schickte Vultraz über den Rand der Klippe. Er schrie den ganzen langen Weg nach unten kein einziges Mal.

Mazeka schaute hinab und fluchte. Es war unmöglich, Vultraz' Körper so weit unten zu erkennen, aber das war in gewisser Weise ein Segen. Hunderte Meter über Messerkristalle hinabzurutschen würde ziemlich wenig sehenswertes übrig lassen. Er konzentrierte sich darauf, wieder hinauf in Sicherheit zu klettern, bevor er sich zu seinem Feind in den Tod gesellte.

Eine mit ozeanblauer Rüstung beschlagene Hand packte sein Handgelenk und zog ihn hoch. Sie gehörte einer Kriegerin, die Mazeka nie zuvor gesehen hatte. Sie trug eine Kettenkeule und einen Schild und sah mächtig genug aus, um einen Takea-Hai mit einem Hieb niederzustrecken. Sie war eine Toa, da war er sich fast sicher, aber er hatte keine Ahnung, wer sie sein mochte.

„Ich bin ein... Freundin“, sagte der Neuankömmling. „Kümmere dich nicht um meinen Namen. Ich habe gesehen, was hier passiert ist. Du bist sehr tapfer, Matoraner.“

Mazeka schüttelte seinen Kopf. „Nicht tapfer. Ich hatte Glück. Und nicht einmal das... er starb, bevor er mir sagte, was ich wissen musste. Jetzt muss ich zu meinem Dorf zurückkehren und mich der Gerichtsbarkeit meines Volkes ausliefern.“

Die Kriegerin schüttelte ihren Kopf. „Keine Angst. Du hast ihnen einen Gefallen getan und wirst belohnt werden... und wer weiß, wem du heute sonst noch geholfen haben könntest?“

Mazeka antwortete nicht, sondern lief nur mit gesenktem Kopf weg. Die Kriegerin sah zu, wie er wegging. Als er fast außer Sichtweite war, begann das Gesicht und die Gestalt seiner Retterin zu schimmern und sich zu verändern. Binnen eines Augenblicks war die mächtige Kriegerin durch Makuta Gorast ersetzt worden. Sie schaute zu Mazeka, dann warf sie einen Blick über die Klippe.

„Ja, kleiner Held“, sagte sie und grinste boshaft. „In der Tat, wer weiß?“

Kapitel 2

Vor fünf Jahren...

Manchmal macht ein Wesen etwas so völlig Unerwartetes, so vollkommen Überraschendes, dass es sogar das Wesen selbst schockiert. An diesem Tag war jenes Wesen Vultraz – und was er tat, war aufzuwachen.

Nachdem er von einer Klippe gefallen war, ging Vultraz voll davon aus, tot zu sein. Stattdessen lag er auf einer Platte in einer abgedunkelten Kammer, und dort pflegten ihn... nun, sie waren irgendeine Art von Rahi, und er wollte lieber nicht wissen, welcher Typ und warum sie ihn anstupsten. Er wunderte sich, ob er den Sturz irgendwie überlebt hatte, nur um von wilden Tieren als Abendimbiss weggeschleppt zu werden.

Er versuchte, sich zu bewegen, da er dachte, er könnte vielleicht schnell die Fliege machen. Aber seine Arme und Beine waren mit irgendeiner Art Ranken festgebunden. Dies waren entweder wirklich intelligente Rahi oder da steckte noch jemand anderes mit drin.

Dieser Jemand suchte sich diesen Moment aus, um hereinzulaufen. Vultraz keuchte. Er hatte ein paar Male nur einen flüchtigen Blick auf sie erhascht, aber er kannte Makuta Gorast trotzdem. Er versuchte vorzutäuschen, dass er immer noch bewusstlos war, selbst obwohl er wusste, dass sie nicht darauf hereinfallen würde.

„Ich kann deine Gedanken lesen”, zischte die Makuta. „Und deine Furcht, kleiner Matoraner. Aber du hast nichts zu befürchten... du bist hier sicher.“

Wenn er es gewagt hätte, hätte Vultraz gelacht. Niemand wusste, was mit Matoraner passierte, die in Gorasts Fängen landeten, aber es gab zahlreiche Gerüchte. Jedes von ihnen war schlimmer als das vorherige, und manche waren geradezu abstoßend. Vultraz hatte in seinem Leben ein paar ziemlich schlimme Dinge getan, aber er war immer noch ein Knuddel-Rahi im Vergleich zu Gorast.

„Wenn das wahr wäre, hätte ich dich fallen lassen, anstatt Rahi dort zu haben, um dich zu retten“, sagte Gorast. „Es stimmt, du warst beschädigt... schwer beschädigt... aber du hast überlebt.“

„Warum… ?“ Vultraz hielt inne. Seine Stimme klang nicht wie seine Stimme. Er schaute hinab auf seine Hände – die Rüstung darauf war vollkommen anders. Was war hier passiert? Was hatte sie getan?

„Du bist gut bekannt auf der Halbinsel“, erwiderte Gorast, die erneut seine Gedanken las. „Zu gut bekannt für meine Zwecke. Aber dein Feind ist damit beschäftigt, die Nachricht von deinem Tod zu verbreiten, und die Veränderungen, die ich gemacht habe, werden sicherstellen, dass dich niemand erkennen wird.“

„Und... und was ist es, was ich für Euch tun soll?“, fragte Vultraz, obwohl er bereits wusste, dass ihm die Antwort nicht gefallen würde.

„Ich will, dass du einen Matoraner für mich findest“, sagte Gorast. „Ein Matoraner namens Krakua... und wenn du ihn findest, will ich, dass du Folgendes tust...“

***

Mazeka kehrte in sein Dorf zurück und brachte die Kunde von Vultraz' fatalem Sturz. Manche begrüßten ihn als einen Held, aber er fühlte sich nicht wie einer. Er hatte es nicht geschafft, zurückzuerlangen, was Vultraz gestohlen hatte, hatte es nicht geschafft, ihn gefangen zu nehmen – und während der Tod des Ta-Matoraner seinen bösen Taten ein Ende bereitet hatte, konnte er sich dennoch nicht überwinden, ihn zu feiern.

Er saß in jener Nacht alleine in seiner Hütte, als jemand an der Tür pochte. Als er sie öffnete, war niemand dort. Verärgert schlug er die Tür zu und ging zurück zu seiner Schlafmatte. Da fiel ihm auf, dass der Stuhl in der Mitte des Raums seine Position verändert hatte. Er ging, um ihn dorthin zurückzubewegen, wo er war, und fand heraus, dass er das nicht konnte – es war, als wäre er mit dem Boden verwurzelt.

„Ich würde das nicht tun“, sagte eine tiefe, kratzende Stimme. „Du wirst dir nur selbst wehtun.“

Mazeka sprang einen guten Meter zurück. Es war niemand anders im Raum, aber jemand sprach mit ihm. Er packte eine Waffe und wirbelte herum. „Wer ist da? Zeige dich!“

„Ah, wenn ich es doch nur könnte“, erwiderte die Stimme. „Leider hat nicht jedes Experiment glückliche Resultate. Ach ja, das einzige, was du vom Herumwirbeln bekommen wirst, ist ein Drehwurm. Ich bin in dem Stuhl.“

„Wer bist du?“, verlangte Mazeka zu wissen, halb davon überzeugt, dass er die ganze Sache nur halluzinierte.

„Mein Name ist Jerbraz, einst einer der bestaussehendsten und schneidigsten Mitglieder meines kleinen Freundeskreises... das heißt, damals als ich noch gesehen werden konnte. Jetzt muss ich mich auf meinen Charme allein verlassen, um einen Eindruck zu hinterlassen... auf ihn und auf dieses fiese Schwert, das netterweise mit mir unsichtbar geworden ist. Wenn du jemandes Kopf plötzlich einfach grundlos davonfliegen siehst, bildest du es dir nicht nur ein.“

Mazeka wich zur Wand zurück, denn er versuchte, so weit von dem Stuhl wegzukommen wie er konnte. „Bist du deshalb hier? Um mich zu töten? Aber ich habe dir nichts getan.“

„Nein“, erwiderte Jerbraz. Der Stuhl bewegte sich zurück, als wäre er aufgestanden und hätte ihn weggeschoben. „Aber du hast einem verdorbenen kleinen Kerl namens Vultraz etwas ziemlich Dauerhaftes angetan. Und die Leute, für die ich arbeite, wissen diese Art von Initiative zu schätzen. Wir wollen dich anheuern.“

„Für wen arbeitest du?“, fragte Mazeka, der immer noch nicht ganz willens war, die Realität von unsichtbaren Wesen zu akzeptieren, die Jobs anboten.

„Wenn ich es dir sagen würde, und du das Angebot zurückweisen würdest, müsste ich dich... nun, du weißt schon. Also schätze ich, du wirst einfach annehmen oder ablehnen...“ Jerbraz ließ ein leises Kichern vernehmen. „...ohne die Ware gesehen zu haben.“

„Kannst du mir wenigstens sagen, was der Job ist?“, sagte Mazeka.

„Ja“, erwiderte Jerbraz. Mazeka wusste, dass sein Besucher nun direkt neben ihm stand. Einen Augenblick später spürte er eine unsichtbare Hand auf seiner Schulter ruhen. „Leute wie Vultraz aufzuhalten – es gibt mehr von ihnen als du vielleicht denkst – und ihre mutmaßlichen Opfer zu beschützen. Speziell heißt das für den Anfang, ein potentielles Ziel – ein Matoraner namens Krakua.“

Mazeka dachte an Vultraz, all die bösen Dinge, die er getan hatte, all die Leute, denen er geschadet hatte. Wenn es da draußen andere wie ihn gab, die stahlen und töteten und Leben ruinierten, wie könnte er eine Chance abweisen, sie aufzuhalten?

„Also gut“, sagte der Matoraner. „Solange ich nicht auch unsichtbar werden muss... bin ich dabei. Sag mir einfach, was ich tun muss…“

Kapitel 3

Vor fünf Jahren...

„Bist du sicher, dass das eine gute Idee ist?“, flüsterte Mazeka.

„Nein“, antwortete der unsichtbare Jerbraz. „Aber es ist die einzige Idee, die ich habe.“

Die beide waren in den Randgebieten eines kleinen Dorfes auf der Tren-Krom-Halbinsel. Mazeka hatte es nie zuvor gesehen und er hatte im Laufe der Jahre viel von der Halbinsel erkundet. Auf den ersten Blick sah es aus wie jedes andere Dorf – eine Reihe von Hütten, ein zentraler Versammlungsbereich, Matoraner, die herumwanderten. Das einzige, was es als seltsam markierte, war die absolute Stille, die jeden Zentimeter des Ortes zu durchdringen schien.

„Was ist hier los?“, fragte Mazeka, so leise, dass er sich selbst kaum hören konnte. Trotzdem hielt einer der Matoraner an und sah sich um.

„Sie sind De-Matoraner“, antwortete Jerbraz. „Matoraner des Schalls. Sehr geräuschempfindlich, also trainieren sie sich von früh an, nicht mehr davon zu machen, als nötig ist. Man muss ihnen aber zugute halten, dass ihr Gehör so stark ist, dass sie vermutlich jedem Wort lauschen, das wir sagen... und das selbst tun würden, wenn wir ein Kio entfernt wären.“

Mazeka dachte darüber nach. „Warum flüstern wir dann?“

„Aus Respekt. Außerdem hassen sie laute Geräusche – deshalb dürfen keine Toa in den Ort hinein. Wo Toa hingehen, folgen Kämpfe... und Kämpfe machen Lärm.“

Mazeka spürte, wie die unsichtbare Hand von Jerbraz ihm auf die Schulter tippte. „Krakua ist da drüben, links von dem Platz – er ist derjenige, hinter dem du her bist. Er sieht für mich genau wie jeder andere Dorfbewohner aus, aber die Leute, die das Sagen haben, behaupten, er ist wichtig. Also gehst du hinein und bringst ihn hinaus... bevor jemand anders es tut.“

Der, den Jerbraz identifiziert hatte, stand alleine und abseits, aber nicht freiwillig. Die anderen Matoraner mieden ihn, und bedachten ihn dazu noch mit bösen Blicken. Mazeka kam schnell hinter den Grund dafür: Krakua summte vor sich hin.

„Jemand denkt, er könnte eines Tages ein Toa werden“, fuhr Jerbraz fort. „Ich kann verstehen, wieso. Matoraner mit der Berufung sind manchmal ein wenig... exzentrisch. Fast als wüsste ihr Gehirn etwas, das es ihnen nicht sagt.“

Auf Jerbraz' Drängen hin schlich sich Mazeka in das Dorf und winkte Krakua zu. Er passte auf, nicht nach ihm zu rufen. Es war nicht sinnvoll, ungewollte Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Als Krakua sich am Dorfrand zu ihm gesellte, sagte Mazeka: „Du kennst mich nicht, aber ich bin hierher geschickt worden, um dich zu finden.“

„Von wem?“, fragte Krakua.

„Das kann ich dir nicht sagen“, antwortete Mazeka.

„Okay. Wie wäre es mit warum?“

„Das kann ich dir auch nicht sagen“, erwiderte Mazeka, der sich bereits sehr unbehaglich fühlte.

„Kannst du mir denn überhaupt irgendetwas sagen?“, fragte Krakua frustriert.

Mazeka schaute über Krakuas Schulter. Etwas rollte in die Mitte des de-matoranischen Dorfes. „Ja!“, rief er und stürzte sich auf Krakua. „Vertrau mir!“

Die beiden schlugen hart auf dem Boden auf. Mazeka presste gerade rechtzeitig seine Hände über Krakuas Audiorezeptoren. Eine Wand aus Schall traf das Dorf, peinigend laut für ein Wesen mit normalen Sinnen, mehr als nur verheerend für die Matoraner des Schalls. Matoraner schlugen fast augenblicklich auf dem Boden auf, überwältigt von dem Lärm. Mazeka wurde fast ebenfalls ohnmächtig, aber er kämpfte darum, bei Bewusstsein zu bleiben, um alles in seiner Macht Stehende zu tun, um Krakua zu beschützen.

Als die Wirkung endlich aufhörte, konnte Mazeka seine eigene Stimme nicht mehr hören. Er rief ein paar Mal Jerbraz' Namen, aber er hätte die Antwort nicht hören können, wenn sie gekommen wäre, und er spürte kein Tippen auf seine Schulter. Hatte der Ordensagent ihn verlassen?

Bevor er sich darüber Sorgen machen konnte, hatte jemand den Platz betreten. Es war ein Ta-Matoraner, wenn auch keiner, den Mazeka wiedererkannte. Er hob beiläufig das Gerät auf, das benutzt worden war, um die Dorfbewohner umzulegen, lächelte und warf es weg. Dann begutachtete er die bewusstlosen Matoraner, als würde er nach jemand Bestimmtem suchen. Hin und wieder benutzte er sein Schwert, um einen herumzurollen und einen besseren Blick zu bekommen.

Mazeka nahm seine Hände weg von Krakuas Kopf. Indem er Handzeichen benutzte, sagte er Krakua, er solle ihm folgen. Mazeka machte sich auf davon, trat aber auf einen Ast und zerbrach ihn. Er konnte immer noch nichts hören, also fiel ihm das Geräusch nie auf. Aber dem Ta-Matoraner schon.

Einen Augenblick später wirbelte Krakua Mazeka herum. Während er das tat, grub sich ein Dolch, den der Ta-Matoraner geworfen hatte, in einen Baum in der Nähe. Mazeka zog seine eigene Klinge, bereit zum Kampf. Aber der Ta-Matoraner rückte nicht vor – tatsächlich schien er ein wenig verblüfft.

„Geh!“, rief Mazeka Krakua zu. „Raus hier! Ich kümmere mich darum.“

Krakua zögerte. Dann verließen seine Füße den Boden und er flog in den Dschungel. Mazeka lächelte fast – Jerbraz war doch nicht gegangen. Er trug Krakua in Sicherheit.

Der Ta-Matoraner rückte vor. Mazeka lehnte sich etwas auf seinen Fersen zurück, bereit, dem Angriff zu begegnen. Der Ta-Matoraner machte ein paar tastende Attacken, dann legte er los, indem er hackte und schlitzte. Mazeka parierte die Hiebe und landete sogar selbst ein paar. Die ganze Zeit über nagte etwas an ihm. Sein Feind hatte etwas Vertrautes an sich – nicht wie er aussah, oder wie er klang, da er kein Wort gesagt hatte. Nein, es waren seine Bewegungen im Kampf. Hin und wieder tat er etwas, das eine vertraute Saite in ihm traf, dann war es wieder weg.

Leider war die Mitte eines Kampfes nicht die beste Zeit, um zu versuchen, sein Gedächtnis zu trainieren. Der Ta-Matoraner nutzte seine Ablenkung aus, um ihn zu entwaffnen. Mazeka versuchte, seine Klinge zurückzuholen, aber der Ta-Matoraner stellte sich zwischen ihn und seine Waffe. Ein flinker Streich und Mazeka hatte seine Maske verloren. Er stolperte und fiel auf den Boden.

Sein Feind stand über ihm, lächelnd. Er hob seine Klinge für den Todesstreich, zwirbelte sie aber noch einen Moment lang über seinem Kopf.

Und dann wusste Mazeka es. Irgendjemand oder irgendetwas hatte seine Erscheinung geändert, aber diese Angewohnheit, vor einer letzten Attacke die Klinge herumzuwirbeln... nur eine Person in Mazekas Erinnerung tat das.

„Vultraz!“, keuchte er. „Du bist... am Leben?“

„Lebendiger, als ich von dir behaupten kann“, hauchte Vultraz, als er sein messerscharfes Schwert nach Mazekas Kopf schwang.

Kapitel 4

Vor fünf Jahren...

Mazeka zwang sich, seine Augen offen zu lassen, während Vultraz die Klinge auf seinen Kopf herabbrachte. Er würde seinem Feind nicht die Genugtuung lassen, zu sehen, dass er Angst hatte.

Der messerscharfe Stahl kam näher, näher... Mazeka akzeptierte, dass dies der letzte Anblick seines Lebens sein würde...

Und dann hielt das Schwert an, weniger als ein Zentimeter von Mazekas Maske entfernt. Als er über die Klinge hinwegschaute, konnte Mazeka sehen, dass Vultraz lächelte.

„Nein, ich muss dich jetzt nicht umbringen“, sagte der Ta-Matoraner. „Ich habe dich geschlagen. Jeden Atemzug, den du von nun an machst, machst du nur, weil ich es zulasse. Egal wo du hingehst, gegen wen du kämpfst, wie viele Schlachten du gewinnst – du wirst wissen, dass du nur wegen mir gehst, redest, lebst.“ Vultraz lachte. „Ich habe gerade dein Leben gerettet, Mazeka... Ich glaube, das verlangt ein Dankeschön, du nicht?“

Mazeka sah nichts, sondern funkelte seinen Feind nur mit hasserfüllten Augen an.

„Natürlich ist es eine Schande, dass ich den kleinen De-Matoraner verloren habe, aber mach dir keine Sorgen – ich werde ihn später einholen und ihm geben, was ich dir nicht gegeben habe“, fuhr Vultraz fort. „Was dich betrifft... lebe ein langes Leben, Mazeka. Ich will, dass du hier bist, um dich an diesen Tag zu erinnern.“

Daraufhin zog der Ta-Matoraner sein Schwert zurück und verschwand in den Dschungel. Mazeka kam auf seine Füße, bereit, ihn zu verfolgen und die Dinge ein und für allemal zu klären. Aber eine unsichtbare Hand hielt ihn zurück.

„Deshalb sind wir nicht hier“, sagte Jerbraz. Mazeka konnte ihn klar hören, auch wenn er ihn nicht sehen konnte. „Wir haben bekommen, weswegen wir hergekommen sind. Begnüge dich damit.“

„Aber--“, begann Mazeka, zornig und frustriert. Dann hielt er an. Jerbraz hatte Recht. Wenn dieser Krakua so wichtig war, dann war das, was am meisten zählte, ihn vor Vultraz zu bekommen.. nicht wahr?

„Krakua ist an einem sicheren Ort“, sagte Jerbraz. „Jetzt kann er trainiert werden. Es gibt einen Grund, warum du nicht viele Toa des Schalls herumlaufen siehst – sie sind durch ihre eigene Kraft verwundbar. Einer der kleinen Scherze der Großen Wesen, schätze ich. Wir werden sicherstellen, dass er seine Kraft benutzen kann – vollständig – wenn er eines Tages ein Toa werden wird... weil wir sie brauchen werden.“

Mazeka hörte nur halb zu. Sein Verstand war bei seinem Kampf mit Vultraz – ein Kampf, der, so schwor er, noch nicht vorbei war. „Hör mal“, sagte er. „Ich habe getan, was ihr wolltet. Jetzt will ich einen Gefallen im Gegenzug. Ich will Training.“

„Welcher Art?“, fragte Jerbraz.

„Ich will das Kämpfen lernen“, sagte Mazeka mit grimmiger Stimme. „Ich will lernen, wie ich sauber gewinnen kann... und wie ich schmutzig gewinnen kann. Wenn ich fertig bin, will ich ein Meister mit der Klinge, mit meinen Fäusten, mit jeder Art von Waffe sein – und dann will ich, dass ihr mir aus dem Weg geht.“

„Du wirst diesen Ta-Matoraner verfolgen, vermute ich?“, sagte Jerbraz.

Mazeka lief weg von der Stimme, tiefer in den Dschungel. „Wir verschwenden Zeit. Du hast einen Matoraner abzuliefern... und ich habe mich auf eine Jagd vorzubereiten.“

***

Jetzt...

Mazeka ging in eine Herberge in einem der übleren Teile von Stelt. Die ganze Insel war in Aufruhr – etwas über ein monströses Reptilienvieh, das das Dach von einem Gebäude heruntergerissen hatte. Er sah keine Spur irgendwelcher Riesenkreaturen, also tat er es als nur eine weitere wilde steltianische Geschichte ab.

Er war hier, um einen Fe-Matoraner zu treffen, dessen Name sich alle paar Monate änderte. Der Matoraner war ein abtrünniger Nynrah-Geist, der einen verdorbenen rechten Arm hatte, das Resultat eines Schmiedeunfalls. Natürlich hätte sich jeder Nynrah, der seine Werkzeuge wert war, ein neues mechanisches Teil herstellen können, um das beschädigte zu ersetzen, aber das hatte er nicht – der Geschichte zufolge behielt er ihn als Erinnerung daran, dass selbst die Besten einen Fehler machen konnten.

Zwei große, blaue Krieger standen am Fuß der Treppe, die zum zweiten Stock führte. Sie stellten klar, dass keine Besucher gestattet waren. Mazeka nickte, drehte sich um, so als wolle er gehen, wirbelte dann herum und verpasste dem nächsten einen vernichtenden Tritt auf das Kniegelenk. Als der zweite nach seiner Klinge griff, blitzte Mazekas eigener Dolch auf. Er entwaffnete den Schläger mit einer flinken Bewegung. Der Wächter stürmte los und Mazeka wich aus, was ihn hinter seinen größeren Gegner brachte. Bevor der Wächter sich umdrehen konnte, machte Mazeka einen Sprung aus dem Stand, bekam eine Hand an die Schulter des großen Kriegers und rammte dann beide Knie in sein Gesicht. Das tat zwar nicht mehr, als den Kraftprotz benommen zu machen, aber das war alles, was Mazeka tun musste. Er nutzte die Situation aus, um die Treppe hinaufzurennen.

Die Türe zur Werkstatt des Fe-Matoraner war verschlossen. Mazeka brachte sie mit einem Tritt nieder. Der Matoraner des Eisens griff nach einer Waffe, aber Mazekas Dolch war bereits wurfbereit. „Ich will nur reden“, sagte Mazeka.

„Du hast eine laute Art, hallo zu sagen“, antwortete der Fe-Matoraner. „Ich bin für Geschäfte offen – alles, was du zu tun gehabt hättest, war klopfen“, sagte Mazeka.

„Ich weiß alles über deine Geschäfte“, sagte Mazeka. „Jemand wird mit dir an einem anderen Tag darüber reden. Jetzt gerade habe ich nur eine Frage – wo ist Vultraz?“

Der Fe-Matoraner tat sein bestes, um verwirrt auszusehen. „Ich kenne keinen Vultraz.“

„Du hast ihm geholfen, sein Fahrzeug zu modifizieren“, erwiderte Mazeka. „Und er benutzte es, um ein Dorf auf einer nicht weit entfernten Insel zu plündern. Zwei Matoraner wurden getötet, zwölf weitere wurden verletzt. Du bist dafür verantwortlich.“

„Warum ich?“, sagte der Fe-Matoraner. „Ich habe das nicht getan! Er hat das getan!“

Mazeka wirbelte seinen Dolch herum, dann schleuderte er ihn nach dem Nynrah-Handwerker. Er traf seine Maske und riss sie herab. Der Fe-Matoraner taumelte und griff nach seiner verlorenen Maske, aber Mazeka war zuerst dort und kickte sie weg. „Vultraz. Sofort.“

„Ich weiß nichts!“, plapperte der Matoraner. „Gib mir meine Maske zurück!“

Mazeka hielt seinen Fuß über die herabgefallene Maske positioniert. „Sag mir, was ich wissen will, oder ich werde sie zertrümmern. Und dann können du und ich ein nettes, langes Gespräch führen, bis du ohnmächtig wirst. Also, was wird es sein?“

„Er sagte... er sagte, er würde sich mit einem Makuta zusammentun“, sagte der Fe-Matoraner. „Sagte, sein Ziel wäre der Kern... das ist alles, was er sagte, ich schwöre es... um etwas zu jemandem namens Icarax zu bringen.“

Mazeka nickte. Das passte zu anderen Informationsfetzen, die er zusammengetragen hatte.

„Okay, danke für die Information“, sagte er. Fast beiläufig brachte er seinen Fuß hinab und zerbrach die Maske zu Stücken. „Lass dir beim nächsten Mal mit der Antwort nicht so viel Zeit.“

Mazeka verließ den Raum, so gedankenverloren, dass er fast die zwei Wächter nicht bemerkte, die draußen auf ihn warteten. Er war abgelenkt genug, dass er ganze zehn Minuten brauchte, um von ihnen wegzukommen. Auf seinem Rückweg zu seinem Sumpfläufer wunderte er sich – was hatte Vultraz jetzt vor? Und wie konnte er ihn aufhalten?

Kapitel 5

Daxia war immer einen Besuch wert, vorausgesetzt, man war ein Mitglied des Ordens von Mata Nui und wurde eingeladen. Es gab Orte zur Erholung und zum Training, Bibliotheken voller Täfelchen über jedes nur vorstellbare Thema, und eine zentrale Energiequelle, falls man Hunger bekam. Natürlich gab es auch eine Waffenkammer, ein Ausrüstungslagerhaus und ein Fahrzeugszentrum, die Mitglieder aufsuchen konnten, bevor sie auf Missionen gingen.

Andererseits, wenn man nicht willkommen war... nun, das war eine andere Geschichte, wie Mazeka herausfand. Er war früher schon auf Daxia gewesen, während seines Trainings, und Toa Helryx, die Anführerin des Ordens, hatte ihm sogar sein Sumpfläufer-Fahrzeug gegeben. Mit ein paar Vorbehalten hatte sie seiner Jagd auf Vultraz zugestimmt, vorausgesetzt, sie kam keiner anderen Arbeit in den Weg, die sie von ihm verlangte. Aber es wurde ihm auch klar gemacht, dass Rückreisen nach Daxia zuerst bewilligt werden mussten, sodass der Orden sicherstellen konnte, dass er nicht zu ihrer Geheimbasis verfolgt wurde.

An diesem Tag hatte Mazeka das nicht getan. Er hatte die Küste von Daxia gestürmt, auf der Suche nach Informationen. Sein alter Feind, Vultraz, war unterwegs zu irgendeinem Ort, den man den Kern nannte, und trug etwas für einen Makuta namens Icarax bei sich. Mazeka war entschlossen, ihn zu stoppen, aber zuerst musste er in Erfahrung bringen, was und wo der Kern war. Und er wusste, wer die Antworten haben würde.

„Helryx!“, rief er, während er durch den zentralen Korridor der Ordensbasis rannte, zwei Wachen an den Fersen. „Ich verlange eine Audienz!“

„Schnappt ihn!“, rief eine der Wachen. „Er könnte ein Bruderschaftsspion sein!“

Mazeka hielt plötzlich an und ließ sich auf den Boden fallen. Die führende Wache stolperte über ihn und wurde der Länge nach hingestreckt. Mazeka schoss nach oben und packte das Handgelenk der zweiten Wache. Mit einer schnellen Bewegung warf er die Wache über seine Schulter und ließ den Wächter auf den Boden krachen.

„Tut mir leid“, sagte Mazeka. „Aber ich habe keine Zeit für offizielle Kanäle.“

Beide Wachen kamen wieder auf ihre Füße, also rannte Mazeka davon. Während er nicht unsichtbar werden konnte wie sein alter Trainer, Jerbraz, wusste er, wie er „verschwinden“ konnte, wenn er es musste. Die Schatten waren sein Freund. Er fand ein Versteck und wartete darauf, dass die Wachen vorbeieilten, bevor er wieder herauskam.

Mazeka wusste, wo Helryx' Kammer war - er kannte auch alle Fallen und Wachstationen auf dem Weg. Jerbraz hatte ihn trainiert, auf derartige Dinge Acht zu geben. Man konnte nie wissen, wann man das Wissen vielleicht gebrauchen konnte. Jetzt benutzte er es, um unbeobachtet zu bleiben, während er sich zur Mitte der Basis vorarbeitete.

Unter normalen Umständen wäre das unmöglich machbar gewesen. Aber da der Orden sich nun im Krieg mit der Bruderschaft befand, war die Anzahl der Mitglieder auf Daxia gesunken. Die meisten Agenten waren draußen und führten Operationen gegen Makuta-Festungen an, was bedeutete, dass es weniger Wachen gab, denen er ausweichen musste.

Sich gewaltsam Zutritt zu Helryx' Kammer zu verschaffen, wäre unmöglich gewesen – zu gut geschützt. Aber ihm war ein Fluchttunnel aufgefallen, der in eine Wand eingebaut war, und hatte sich die Mühe gemacht, den Ort zu suchen, an dem er herauskam. Nun ging er in jenen verborgenen Ausgang hinein und folgte dem Tunnel, den ganzen Weg zurück bis zu seinem Ziel.

Aber als er herauskam, sah er, dass Helryx nicht da war. Stattdessen war es ein hochrangiger Agent des Ordens von Mata Nui, Tobduk. Das war so ziemlich die letzte Person, die Mazeka sehen wollte.

Tobduk war groß – locker drei Meter hoch – und obwohl er sehr hager aussah, war das trügerisch. Er bestand ganz und gar aus drahtigen Muskeln. Er trug eine Kanohi Sanok, die Maske der Präzision, die zu ihm passte – denn er war ein Killer.

Dieses spezielle Ordensmitglied bekam die scheußlichen Aufträge und lebte von ihnen. Er war innerhalb der Gruppe dafür berühmt, die Tode von jedem, der die Lage der Insel Artakha kannte, entweder geplant oder sie persönlich ermordet zu haben – einschließlich anderer Ordensmitglieder und eines Makuta. Obwohl man von jemandem wie ihm erwarten würde, kalt und gelassen zu sein, befand sich Tobduk in einer ewigwährenden Rage – er nährte sich von Zorn, seinem eigenen und dem anderer; er machte ihn stärker.

Mazeka hatte während seines Trainings mehrmals gegen Tobduk gekämpft. Er hatte immer verloren. Trotz der besten Anstrengungen des Matoraners wuchsen während des Kampfes stets Frustration und Zorn in ihm an, was Tobduk nur noch stärker machte. Der Kampf war dann stets binnen Sekunden vorbei.

„Komm heraus, Mazeka“, sagte Tobduk mit dem Grinsen eines hungrigen Kavinika-Wolfs. „Ich weiß, dass du da bist.“

Es war sinnlos, es zu leugnen, oder das Unvermeidliche hinauszuzögern. Mazeka trat den Eingang zu dem Tunnel auf und trat ins Licht hinaus. „Ich hätte gedacht, du wärst im Einsatz, um etwas zu töten“, sagte er. „Hat Helryx dich hier festgesetzt?“

„Meine Zeit kommt“, fauchte Tobduk. „Ich wurde für den Krieg geschaffen.“

„Großartig“, sagte Mazeka. Er zwang sich, ruhig und gefasst zu bleiben, sodass er Tobduk jedwede Extrakraft verweigern konnte. „Ich hoffe, du und deine Schlachten werden miteinander sehr glücklich werden. Ich brauche Informationen. Wo ist Helryx?“

„Im Einsatz. Und du kommst nicht zu uns... wir rufen dich“, knurrte Tobduk bedrohlich.

„Vultraz ist unterwegs zum Kern, um irgendetwas zu einem Makuta zu bringen“, erklärte Mazeka. „Ich muss ihm folgen, aber ich weiß nicht, wo der Kern ist.“

„Ich schon“, sagte Tobduk. Seine Augen schafften es irgendwie, gleichzeitig zu funkeln und trotzdem kalt und tot zu bleiben. „Und ich könnte es dir sagen... aber jetzt noch nicht.“ Er hob einen Dolch von Helryx' Schreibtisch auf und spielte damit herum. „Jerbraz sagt, du bist weit gekommen. Aber hast du das Zeug zum Töten?“

Jetzt kommt es, dachte Mazeka. Er wird mich zum Kampf um die Informationen, die ich suche, herausfordern. Und ich bin besser als ich einst war, aber nicht besser genug, um ihn zu schlagen.

Zu Mazekas Überraschung steckte Tobduk den Dolch in eine Scheide an seiner Hüfte und lächelte. „Nein. Dich niederzumetzeln würde nicht mal mehr Sport sein, nicht, wenn es da draußen so viele bessere Ziele gibt. Ich muss einen Job erledigen, Mazeka... und ich könnte etwas Hilfe gebrauchen. Du hilfst mir und ich werde dir sagen, was du wissen willst... oder du könntest dich weigern und die Wächter werden dich zu einer Verhörzelle schleppen, während Vultraz frei umherstreift.“

Mazeka hatte keine Wahl. Sein Verlangen nach Rache an Vultraz war für ihn wichtiger als alles andere. Wenn er sich mit jemandem wie Tobduk zusammentun musste, um seine Ziele zu erreichen, dann sollte es so sein.

„Was muss ich tun?“, fragte Mazeka.

„Nichts sonderlich Schreckliches“, sagte Tobduk, der bereits aus der Kammer herauslief und offensichtlich erwartete, dass Mazeka ihm folgte. „Wir gehen nur auf Jagd.“

(Wird fortgesetzt im letzten Abschnitt von Der Bestimmungskrieg, Kapitel 6)

Kapitel 6

Mazeka packte Vezons Arm und zog ihn weg von der Stelle, an der Makuta Tridax und Tobduk kämpften. „Los, komm, du Narr“, sagte der Matoraner. „Willst du unbedingt sterben?“

„Nun...“, sagte Vezon, als würde er ernsthaft über die Frage nachgrübeln. „Ich will auf jeden Fall das Ende sehen.“

„Vertrau mir, es wird jede Menge Enden zu sehen geben“, sagte Mazeka mit etwas Verbitterung in seiner Stimme. „Alles endet irgendwann... und manchmal ist man sich nicht sicher, warum.“

„Wie profund. Wie tiefgründig“, sagte Vezon. Dann fügte er hinzu: „Wie langweilig. Wer bist du und warum bist du hier?“

„Ich bin hier, um dich zu töten“, sagte Mazeka.

„Oh“, sagte Vezon nun heiterer. „Ich wusste, du hast etwas an dir, das mit gefällt.“

***

Tobduk sah zu, wie der letzte Rest der Rüstung des Makuta sich angesichts des protostahlfressenden Virus auflöste. Jetzt musste er sich nur noch um seine frei schwebende Antidermis kümmern. Währenddessen erzitterte und zerbröckelte die Festung von Destral weiterhin angesichts des Angriffs draußen.

„Ihr Makuta“, sagte Tobduk kopfschüttelnd. „Am Ende seid ihr nur Wölkchen aus Verderbtheit, nicht wahr? Überhaupt keine Substanz. Anders als diese Toa, die du überall in dieser Kammer eingesperrt hast.“

Tobduk sah sich um. Er erkannte den Toa in den Kästen nicht, konnte aber feststellen, dass sie alle – irgendwie – ein und dasselbe Wesen waren. „Jemand hat mit Dingen herumgespielt, die man besser alleine lassen sollte“, sagte er in einer leicht unheimlichen Singsangstimme. „Ich habe genügend Geschichten von Turaga gehört, um zu wissen, wohin das führt.“

Die Antidermis, die in der Mitte des Raums schwebte, nahm eine dunklere Schattierung von Schwarz und Grün an. Tobduk hatte keinen Zweifel daran, dass der Makuta versuchte, ihn mental anzugreifen... oder vielleicht sogar telepathisch um sein Leben zu flehen? Doch solange seine mentalen Schilde oben waren, kam nichts durch. Das war aber in Ordnung. Er hasste es, eine ausgewachsene Gaswolke heulen zu hören.

„Ich kann erraten, was du denkst“, sagte Tobduk. „Mit all diesen Toa hier, würde niemand es wagen, Destral zu zerstören. Niemand würde den Schaden an all diesen anderen Realitäten riskieren. Niemand würde all diese Leben opfern.“

Tobduk lächelte und zog einen garstig aussehenden Stab hervor. Sein Schaft war mit matoranischen Symbolen beschrieben und sein Kopf war in der Form des Kopfes einer Todesviper geformt. „Nun, lass mich dir etwas erzählen. Ich lebte einst auf einer Insel östlich von hier... nur ein einfacher Ort, wo ein paar von uns versuchten, von Tag zu Tag durchzukommen. Wir hatten hin und wieder etwas Ärger mit Rahi, nichts all zu Ernstes. Das heißt, bis zu dem Tag, an dem ein Makuta aufkreuzte.

„Er hatte ein kleines Experiment vor. Er mischte etwas hiervon, etwas davon, und ehe man sich versah... hatte er eine großartige Riesenspinne... und dann noch einen Haufen mehr. Aber das war nicht genug... er musste sehen, was sie tun konnten. Also ließ er sie auf unser Dorf los... es war binnen Minuten vorbei. Als sie fertig waren, benannten die Makuta die Insel zu Ehren ihrer Streicheltiere in Visorak um.“

Tobduk erschauderte ein wenig von der Erinnerung. „Ich schaffte es, von der Insel wegzukommen... ein paar andere auch... und gelangte nach Nynrah und von dort nach Stelt. Als wir dort angekommen waren, hatte der Schrecken von allem, das ich gesehen hatte... mich verändert. Als meine neuen Freunde mich aufnahmen, nannten sie mich ‚Tobduk’, was, wie ich hörte, ‚Überlebender’ bedeutet. Ihre Vorstellung von einem Scherz, schätze ich.“

Tobduks Augen leuchteten mit einer Mischung aus Rage und Wahnsinn. „Denn, verstehst du, ich habe nicht überlebt. Ich weiß nicht einmal, wer ich früher war. Ich bin nicht, wer ich war... und ich bin nicht, was der Orden aus mir machen wollte. Ich bin niemand.“

Ein Strahl weißglühender Energie schoss lanzengleich aus Tobduks Stab hervor. Er traf die Antidermis mitten in der Luft und äscherte sie binnen Augenblicken ein. Tobduk schaltete die Waffe nicht ab, bis jedes letzte Partikel weg war.

„Beeindruckend“, sagte Mazeka von der Türe her.

Tobduk zuckte mit den Schultern. „Nur so ein Zeitvertreib. Wo ist der andere? Er ist ein frei herumlaufender Rahi... ihm muss Einhalt geboten werden.“

„Er ist tot“, log Mazeka. Er hatte keine Ahnung, wer Vezon war, hatte aber auch keinen Grund, ihn zu ermorden. Er entschied, ihn sein Glück mit der Armee vor den Toren versuchen zu lassen, so gering diese Chancen auch sein mochten.

„Du bist mir was schuldig“, fuhr der Matoraner fort. „Du hast gesagt, wenn ich dir helfe, würdest du mir sagen, wie ich den Kern finden kann.“

Die Festung wurde von einer Explosion erschüttert. Die Kammerdecke bekam Risse und Schutt begann herabzufallen. „Das habe ich“, sagte Tobduk, scheinbar unbesorgt wegen der Zerstörung überall um ihn herum. „In Ordnung, Matoraner, ich werde dir die richtige Richtung weisen.“

„Was ist mit all diesen Toa?“, fragte Mazeka.

„Am falschen Ort zur falschen Zeit“, antwortete Tobduk. „Sie gehören nicht hierhin und wir haben keine Zeit, sie alle heimzuschicken. Sie sind Kriegsopfer. Du kannst hier bleiben und versuchen, sie zu retten, wenn du willst, aber ich bin hier fertig... also gehe ich. Wenn du das Geheimnis des Kerns willst, wirst du mit mir kommen.“

Mazeka wog ab. Die Leben eines Haufen Toa, den er nicht kannte, gegen Vultrazs wie auch immer geartete böse Pläne aufhalten. Er wusste, was ein Toa tun würde – alles riskieren, um die Hilflosen zu retten und den Schurken entkommen lassen, womit sie auf lange Sicht womöglich noch mehr Leben aufs Spiel setzten. Aber das war vielleicht der Grund, warum nur noch knapp über fünfzig Toa im Universum übrig waren – und Mazeka war sowieso keiner von ihnen.

„Okay“, sagte der Matoraner. „Wir gehen.“

***

Als der Matoraner und der Ordensagent aus der Kammer verschwunden waren, trat Vezon aus den Schatten hervor. Destral zerfiel um ihn herum zu Stücken, aber er ignorierte es. Seine Augen ruhten auf all diesen Kristallkästen und den Toa, die darin schliefen.

Er hatte Makuta Tridax' „Sammlung“ vor nicht allzu langer Zeit verhöhnt. Aber als der Irre einen Finger einen der Kästen entlang laufen ließ, kam er nicht umhin, sich zu fragen:

Was könnte ich mit einer Armee von Toa an meiner Seite nicht alles tun?

(Vezons Handlungsstrang wird in Der Bestimmungskrieg, Kapitel 8 fortgesetzt.)


Kapitel 7

Mazeka steuerte seinen Sumpfläufer durch die Randgebiete von Karda Nui. Es hatte zu lange gedauert, die Wegbeschreibung zu diesem Ort von Tobduk zu bekommen, und noch mehr Zeit, um sein Fahrzeug von Daxia zu holen. Nur Mata Nui wusste, welchen Ärger Vultraz wohl in der Zwischenzeit angerichtet haben mochte.

Der Läufer bewegte sich schnell über das trübe Wasser. Magnetkraft aus den Spitzen seiner Beine hielten ihn ein paar Zentimeter über der Oberfläche des Sumpfes in der Luft. Hin und wieder tauchte ein Tentakel... oder etwas Schlimmeres... aus der Trübe auf und versuchte, das Fahrzeug zu packen, und Mazeka musste sich darum kümmern.

Die Geräusche von Kämpfen kamen von überallher. Toa waren im Kampf mit Albträumen mit Fledermausflügeln gefangen. Mazeka vermutete, dass sie Mitglieder der Bruderschaft der Makuta waren. Seine Quellen hatten ihm gesagt, dass Icarax hierher gerufen worden war, und das Icarax wiederum Vultraz hergerufen hatte. Es konnte nur einen Grund dafür geben, und es war einer, der Mazeka krank machte.

Fünf Jahre zuvor hatten Mazeka und sein Mentor hart daran gearbeitet, Forschungen über den Ursprung aller Dinge zu betreiben. Jeder wusste von den Großen Wesen und dem Großen Geist Mata Nui, aber wie viel war Mythos und wie viel Fakt? Die beiden waren entschlossen, es herauszufinden. Obwohl sie weit davon entfernt waren, alles zu erfahren, was es zu wissen gab, hatten sie viel entdeckt, einschließlich eines gefürchteten Geheimnisses: die Herkunft der Makuta. Hineingeritzt in eines ihrer Täfelchen war ihre beste Theorie darüber, wie der Große Geist die Makuta geschaffen hatte und wo. Jenes Täfelchen war unter den vielen, die Vultraz gestohlen hatte.

Damals war es ein schreckliches Verbrechen gewesen. Jetzt konnte es ein Desaster sein. Ein mit diesem Wissen bewaffneter Makuta könnte eine Armee seiner Brüder erschaffen, oder vielleicht eine noch mächtigere Gestalt für sich selbst. Mazeka war sich nicht sicher, wann Icarax herausgefunden hatte, was Vultraz wusste, oder warum er die Information jetzt wollte, aber er wusste eines mit Gewissheit – Icarax durfte nicht gestattet werden, sie in seine Klauen zu bekommen.

Das war leichter gesagt als getan. Karda Nui war ein gewaltiger Ort, also würde es nicht leicht sein, Vultraz zu finden. Und er musste es tun, während er vermied, in die Schlacht zwischen den Toa und den Makuta hineingezogen zu werden.

Ich sollte bald mal damit aufhören, mir immer all die leichten Jobs auszusuchen, dachte er.

***

Vultraz flog mit seinem Himmelsjäger hoch über den Sumpfgewässern. Er kam sich vor, als hätte er ein Wunderland besucht. Tief unten wurden Toa von Makuta verprügelt, Schatten-Matoraner jagten ihre ehemaligen Freunde. Es war eine kleines Stück vom Paradies.

Er erinnerte sich daran, wie er gewesen war, bevor er ein Schatten-Matoraner wurde. In Wirklichkeit gab es da keinen so großen Unterschied. Er war jetzt ein bisschen mächtiger, aber er hatte auch vorher nie viel mit Gerechtigkeit und Moral anfangen können, also war seine neue Perspektive auf das Leben seiner alten nicht sehr unähnlich.

Icarax' schwache telepathische Vorladung hatte ihn auf Destral erreicht. Der Makuta war offensichtlich schwer verwundet. Vultraz musste zuerst den Ort aufspüren, an dem er die Täfelchen versteckt hatte, die er vor so langer Zeit gestohlen hatte, um seine Informationen zu bestätigen. Es wäre eine selbstmörderisch schlechte Idee, Icarax schlechte Daten zu liefern.

Er flog eine Kurve nach links, dem mentalen Ruf von Icarax folgend. Da fiel ihm Bewegung unten und weit im Westen ins Auge. Zuerst vermutete er, es wäre ein Toa oder einer der Av-Matoraner, wahrscheinlich auf der Flucht. Dann nahm er den charakteristischen Umriss eines Sumpfläufers wahr und wusste sofort, wer es sein musste.

Vultraz lächelte. Irgendwie passte das. Die Bruderschaft stand kurz davor, ihren größten – ihren endgültigen – Sieg zu erringen… und das Schicksal hatte ihm seinen alten Feind, Mazeka, in die Hände gespielt. Er bedauerte einzig und allein, dass Mazeka den Triumph der Schatten nicht mehr erleben würde.

Icarax war für den Augenblick vergessen. Er schickte sein Fahrzeug in einen Sturzflug, direkt auf Mazeka zu.

***

Mazeka erspähte Vultraz gerade noch rechtzeitig. Der Himmelsjäger flog nun dicht über dem Wasser, auf einem Kollisionskurs mit dem Sumpfläufer. Als Vultraz mit seinen Skyblastern das Feuer eröffnete, tat Mazeka dasselbe, noch während er sein Fahrzeug direkt auf den herannahenden Flieger zurasen ließ.

Die beiden alten Feinde schossen auf einen Entscheidungskampf zu, oder vielleicht auf beiderseitige Zerstörung... erreichten einander aber nie.

Ein Portal öffnete sich direkt zwischen ihnen im Raum. Es war zu spät, um aufzuhören, zu spät, um zu wenden... zu spät, um irgendetwas zu tun als hineinzutauchen. Und dann waren sie alle beide aus Karda Nui verschwunden.

***

Es gab einen Übelkeit erregenden Moment der Finsternis und Desorientierung. Als die Lichter wieder angingen, hielt der Sumpfläufer direkt auf einen massiven Baum zu, der goldene Metallstreifen hatte. Mazeka zog hart an den Kontrollen und drehte das Fahrzeug um. Aus dem Gleichgewicht geraten, kippte es um. Er sprang gerade noch rechtzeitig ab.

Nicht weit entfernt fand Vultraz sich auf Kurs auf etwas wieder, das wie ein See aussah. Erst als er näher kam, sah er, dass das „Wasser“ sich wellte wie irgendein gewaltiger Organismus. Sekunden später flogen Scherben aus messerscharfem Kristall aus den Tiefen des Pseudosees, die Stücke von dem Himmelsjäger wegschnitten. Durch Treffer außer Kontrolle geraten, begann sich das Fahrzeug zu drehen. Vultraz sprang gerade noch so ab bevor es auf der Oberfläche von dem, was er nun für eine Kreatur hielt, aufschlug. In dem Augenblick, in dem das Fahrzeug Kontakt hatte, verwandelte es sich zu purer Energie und verschwand.

Vultraz, der sich an den Ast eines Baums klammerte, sagte: „Nun, das war seltsam.“

Mazeka wandte sich bei dem Geräusch von jemandem um, der sich aus den Wäldern näherte. Er war überrascht, eine Ga-Matoraner hervortreten zu sehen, gefolgt von einer Toa des Wassers. „Wer seid ihr?“, fragte er. „Und... wo bin ich?“

„Wo du—?“, sagte die Ga-Matoraner, dann lachte sie. „Oh, ich verstehe. Ein weiterer Test. In Ordnung, ich werde mitspielen. Ihr seid auf Spherus Magna und ich bin Toa Macku. Diese übergroße Masse aus Muskeln ist eine meiner Dorfbewohnerinnen. Stets erfreut, einen weiteren Helden der Verknüpfung zu treffen.“

Kapitel 8

„Spherus Magna?“, sagte Mazeka während er und Vultraz hinter ihren Gastgeberinnen hertrotteten. „Was in Mata Nuis Namen ist ein Spherus Magna?“

Toa Macku drehte sich um, um zu ihm hinterzublicken. „Du musst dir bei der Bruchlandung deinen Kopf wirklich hart angeschlagen haben. Und was ist ein Mata Nui?“

„Was ist ein--“, antwortete Mazeka schockiert.

„Hmmmm“, sagte Vultraz. „Ich denke nicht, dass wir noch in Karda Nui sind. Vielleicht sollte ich meine roten Füße dreimal zusammenschlagen und mir ganz doll wünschen...“

„Das hier ist Spherus Magna“, sagte Macku und deutete auf die Wälder überall herum. „Es ist die gesamte Welt. Ihr solltet es wissen, ihr habt bei ihrer Rettung geholfen.“

„Habe ich?“, sagte Mazeka.

„Natürlich haben wir das“, sagte Vultraz. „Das waren noch tolle Zeiten, nicht wahr, Macku? Ich kann diese Geschichte nie oft genug hören.“

Macku lächelte. „Ich auch nicht. Aber meine matoranische Freundin Helryx hier, sie hat diese Geschichte ziemlich satt, denke ich.“

„Das stimmt nicht“, sagte die große, blau gepanzerte Gestalt. „Ich wünschte nur, ich hätte irgendwie helfen können, das ist alles.“

„Ich weiß, ich scherze doch nur“, erwiderte Macku. „Aber du weißt, dass die Großen Wesen wollten, dass wir Toa die harten Aufgaben in Angriff nehmen – deshalb haben sie uns so agil und schnell gemacht, wenn auch etwas klein. Ihr großen Matoraner sollt die Arbeit verrichten, die das Dorf braucht, um zu gedeihen.“

Mazeka kam sich vor, als wäre die Welt auf den Kopf gestellt worden. Matoranische Dorfbewohner waren hier Toa? Und Toa waren Dorfbewohner? Und Helryx – die Anführerin des Ordens von Mata Nui – war in irgendeiner Situation hilflos gewesen? Das war verrückt.

„Vultraz hat aber recht“, sagte er, schnell mitdenkend. „Es ist eine tolle Geschichte. Ich möchte wetten, du kannst sie auch gut erzählen, Macku.“

„Nicht so gut wie Takua, aber ich gebe mein Bestes“, sagte Macku mit Stolz in ihrer Stimme. „Nun, es war vor etwas über 100.000 Jahren. Ein paar Dorfbewohner entdeckten eine silbrige Flüssigkeit, die aus einer Spalte austrat, und gingen nachsehen, was sie war. Sie berührten sie und – puff! – keine Dorfbewohner mehr. Später versuchte jemand anders, ein wenig davon abzuschöpfen, und das Werkzeug jener Person wurde zu einem Dreizack. Gruselig.“

Mazeka runzelte die Stirn. Das klang wie eine Beschreibung von energiegeladener Protodermis. Er hatte immer gedacht, sie wäre etwas, das von den Großen Wesen erschaffen worden war, aber nun hörte es sich so an, als käme sie aus dem Kern dieser Welt.

„Wie auch immer, es war offensichtlich ein ziemlich mächtiges Zeugs. Also hat jeder angefangen, darum zu kämpfen... ohne je der Tatsache Aufmerksamkeit zu schenken, dass sie sich überall verbreitete. Aber die Großen Wesen sahen, was geschah, und sie wussten, wenn es nicht aufhörte, würde der Planet in Stücke gespalten werden.“

Die vier Reisenden kamen auf einer Lichtung heraus. Dort gab es ein Dorf, das voller Wesen wie Helryx war. Es waren keine anderen Wesen von Mackus Größe sichtbar.

„Willkommen in Ga-Koro“, sagte Macku. „Wie ich sagte – ich schätze, die Großen Wesen verwarfen ihre ersten Ideen, was auch immer sie gewesen sein mochten, aber gelangten letztendlich zu einem Weg, wie man der Situation beikommen konnte. Sie erschufen eine Handvoll mächtiger Wesen namens Toa – das sind wir – mit Elementarkräften und Maskenkräften. Und wir gingen unter die Erde, um die Flüssigkeit in speziellen Behältern zu bergen und zu versuchen, den Schaden zu reparieren. War nicht leicht – es gab bereits jede Menge Einbrüche, also war es gut, dass wir nicht so groß wie Helryx hier waren. Hat den Großteil von fünf Jahren gebraucht, aber wir schafften es, den Planeten wieder zusammenzuknüpfen.“

„Und ihr habt nie von Mata Nui gehört?“, fragte Mazeka.

Macku schüttelte ihren Kopf. „Nein. Ich kann Toa Kapura fragen, wenn ich ihn das nächste Mal sehe, wenn ihr wollt.“

„Oh ja“, sagte Vultraz kichernd. „Bitte tu das.“

Mazeka hatte genug davon. „Macku, mein Begleiter und ich, wir sind... nicht aus der Gegend. Und wir müssen wieder zurück nach Hause. Es ist eine lange Reise... eine wirklich lange Reise, glaube ich... und wir sind nicht sicher, wie wir sie antreten sollen. Kennst du irgendjemanden, der helfen kann?“

Macku hielt an, um nachzudenken. „Nun, da wäre Gali“, sagte sie schließlich. „Sie leitet ein Kanugeschäft. Ich habe gehört, sie sei in südlicher Richtung schon bei den Bergen gewesen, aber nicht viel weiter. Ich denke nicht, dass es jenseits der Gipfel noch viel Sehenswertes gibt.“

„Ich denke, wir werden mehr als ein Kanu brauchen“, sagte Mazeka.

„Was soll die Eile“, sagte Vultraz. „Ich denke, mir könnte es hier gefallen. ‚Toa Vultraz’... dem Namen haftet so ein Wohlklang an, nicht wahr?“

„Wenn ihr wirklich besorgt seid, schätze ich, dass euch nur eines übrig bleibt“, sagte Macku. „Ihr werdet die Großen Wesen aufsuchen müssen. Sie kennen diese Welt besser als alle anderen, vom Großen Meer bis zum Nördlichen Frost. Ich bin etwas beschäftigt, aber ich bin sicher, dass ich euch einen Führer auftreiben kann, wenn ihr wollt.“

„Ja, danke“, sagte Mazeka. Nachdem Macku gegangen war, wandte er sich wutentbrannt zu Vultraz um. „Wir gehören nicht hierher. Wir werden heimgehen, bevor wir noch Schaden anrichten an diesem... was auch immer das für ein Ort ist.“

„Du konntest mich in unserem eigenen Universum nicht aufhalten, wo du den ganzen Orden von Mata Nui und echte Toa hinter dir hattest“, feixte Vultraz. „Hier, in dem friedlichen Wald mit halbwüchsigen Toa und übergroßen Dorfbewohnern, und keinem Großen Geist weit und breit, hast du keine Chance.“

Vultraz grinste. „Gib mir einen Monat, Mazeka, und ich werde diesen Ort kontrollieren. Und du – wenn du noch am Leben bist – hinter dir wird ganz Spherus Magna her sein.“

Kapitel 9

Wenn Mazeka gedacht hatte, er wäre von all den Unterschieden zwischen der Welt Spherus Magna und dem Universum, das er gewöhnt war, erschüttert worden, dann stand ihm ein noch größerer Schock bevor. Toa Macku kehrte mit einem Führer zur Festung der Großen Wesen zurück – ein großes, weiß gepanzertes Wesen, das sie als Makuta Teridax vorstellte. Der Neuankömmling begrüßte sowohl Vultraz als auch Mazeka und schlug vor, dass sie sofort aufbrechen sollten, da es im Dunkeln eine tückische Reise war.

„Also, dein Titel ist Makuta?“, fragte Mazeka. „Was machst du?“

„Was auch immer nötig ist“, erwiderte Teridax. „Meine Rolle ist, den Toa zu helfen, auf die Dorfbewohner aufzupassen; bei Bedarf neue Lebensformen zu erschaffen; und denen, die meine Brüder und ich ins Leben rufen, die Tugenden von Einigkeit, Treuepflicht und Bestimmung zu lehren.“

Vultraz dachte, ihm würde gleich schlecht werden. Was hatten sie hier mit den Makuta gemacht? Wo war das köstliche Böse, die komplexen Pläne, der gnadenlose Ehrgeiz? Oder... wenn die Taten der Makuta von einem Hass/Neid auf Mata Nui angetrieben worden waren, und es hier keinen Mata Nui gab, waren die Dinge anders gelaufen?

„Muss ein harter Job sein“, sagte Vultraz.

„Er ist... zeitaufwendig“, sagte Teridax. „Ein Makuta muss ein Wesen vollkommen frei von Zweifeln sein, oder Furcht, oder irgendeiner Spur von Schatten, also braucht es lange Jahre der Meditation, bevor man bereit ist, den Titel anzunehmen. Die Mächte, die diese Welt einst regierten, waren wahnsinnig vor Machthunger – die Großen Wesen erschufen die Makuta als Antwort darauf.“

Niemand sprach für den Rest der Reise. Mazeka war voller Fragen, aber er war sich nicht sicher, ob es weise wäre, sie zu fragen. Wenn der Makuta herausfand, wo er und Vultraz wirklich herkamen, entschied er vielleicht, sie einzusperren oder Schlimmeres. Warum sollten die Wesen von Spherus Magna schließlich wollen, dass die aus einem Universum, das so vom Krieg zerfressen war wie Mazekas, von ihnen oder ihrer Dimension wussten?

Es war eine lange und gefährliche Reise durch dichten Wald und hohe Berge. Hin und wieder erschütterte ein großes Brüllen die Erde. Die beiden Matoraner fragten nicht nach der Quelle – keiner von ihnen wollte es wirklich wissen – und Teridax sagte es nicht von sich aus.

Sie kamen schließlich zu einer gewaltigen Festung, die vollständig aus Kristall und Eisen bestand. Zwei weitere Makuta bewachten das Haupttor. Mazeka und Vultraz erkannten sie als Gorast und Icarax wieder, ebenfalls in weißer Rüstung. Sie gestatteten der Gruppe, unbehelligt hindurchzugehen. Der einzige unsichere Moment war, als Vultraz Gorast einen Blick zuwarf und murmelte: „Netter Aufzug.“ Gorasts Antwort bestand darin, dass sie ihn telekinetisch hochhob und ihn dann auf den Boden schlug. Es war ihre Version einer milden Warnung.

Der Trip zu der Festung war lang gewesen. Die Reise vom Haupttor zu der zentralen Kammer dauerte noch länger. Nach der hundertsten Biegung und Wendung war Mazeka überzeugt, dass das alles absichtlich war. Die Großen Wesen mochten offenbar keine Besucher, und wollten nicht, dass diejenigen, die sie hatten, sich daran erinnerten, wie sie zu finden waren.

Mazeka erwartete, in ein weitläufiges Laboratorium geführt zu werden. Stattdessen sah der Raum, zu dem Teridax sie brachte, eher wie eine Ratskammer aus. Ein halbrundes Steinpodium ruhte am gegenüberliegenden Ende des Raums. Die einzige Beleuchtung kam von Lichtsteinen, die in der Decke eingebettet waren, und das war kaum genug Licht, um die eigene Hand vor den Augen zu sehen. Er dachte, schemenhaft sechs Gestalten an dem Podium sitzend ausmachen zu können, aber dann waren sie weg. Vielleicht war es, wie so viele Dinge, ein Trick von Schatten und Licht gewesen.

Eine sanfte Stimme, kaum mehr als ein Flüstern, durchbrach die Stille. „Wen hast du zu uns gebracht, Makuta, und warum.“

„Sie sagen, sie kamen aus einem anderen Land und wünschen, dorthin zurückzukehren“, sagte Teridax. „Sie sehen wie Toa aus, aber ich glaube, Äußerlichkeiten täuschen. Und einer von ihnen... einer hat einen Geist voller Schatten.“

Mazeka fluchte innerlich. Er war ein Idiot gewesen – Makuta waren Telepathen. Das Training des Ordens von Mata Nui bedeutete, dass sein Verstand abgeschirmt war, aber Vultraz hatte keinen solchen Schutz gegen mentales Eindringen. Teridax hatte seine Gedanken gelesen und wusste nun alles.

„Tretet vor“, sagte ein weiteres Flüstern. Mazeka war verblüfft, wie uralt die Stimme klang.

Er machte einen Schritt. Vultraz zögerte, bis Teridax ihn vorwärts schubste. Es gab eine Ewigkeit der Stille. Dann kamen weitere Flüsterstimmen.

„Unser Werk... aber doch nicht unser Werk. Interessant.“

„Und einer voller Schatten? Wie faszinierend... gab es einen Fehler in seiner Schöpfung, frage ich mich?“

„Vielleicht sollten wir ihn auseinandernehmen und nachsehen.“

„Nein, nein... zu extrem. Aber es sollte Tests geben, dem stimme ich zu.“

„Jetzt wartet mal eine Minute“, sagte Vultraz. „Ich stelle mich nicht als Labor-Rahi zur Verfügung.“

„Wir wünschen einfach nur, nach Hause zu gehen“, sagte Mazeka. „Wir haben dort... Angelegenheiten zu regeln. Ich bitte darum, dass Ihr uns gehen lasst.“

„Es ist eine verlorene Chance“, flüsterte eines der Großen Wesen.

„Vielleicht nicht. Vielleicht nicht. Ein Austausch könnte stattfinden.“

„Wie ist dein Name, Besucher?“

„Mazeka.“

„Mazeka, ja“, kam die Antwort. „Wir haben viele wundersame Schöpfungen, Mazeka... manche, von denen nicht einmal der loyale Teridax weiß. Euer Besuch ist wirklich faszinierend, aber keine Überraschung. Wir sind uns wohl bewusst, dass wir Gegenstücke an anderen Orten in den vielen, zahllosen Realitäten haben, die existieren. Es war nur eine Frage der Zeit, bevor eine ihrer Schöpfungen die dimensionalen Mauern durchdrang... und bedenkt man den chaotischen Zustand ihrer Schöpfungen, ist das kein Ereignis, dem wir mit Freude entgegenblickten.

„Und daher bieten wir einen Austausch an. Dir wird gestattet werden, zurückzukehren, woher du kamst. Wir werden deinen Begleiter behalten – ich bin mir sicher, ihr habt bereits genug Finsternis in eurem Universum und braucht nicht noch mehr. Und wir wären interessiert, zu sehen, wo genau unsere anderen Versionen bei seiner Schöpfung Fehler gemacht haben. Im Gegenzug wird dir gestattet werden, einen von unserem Universum mit dir zurückzunehmen, um das Gleichgewicht zwischen den beiden Realitäten zu wahren.“

Mazeka war sich nicht sicher, was er sagen sollte. Er hasste Vultraz, schon seit Jahren, aber er wollte ihn fair schlagen und sehen, wie er der Gerechtigkeit zugeführt wurde. Stattdessen würde dies bedeuten, ihn in einer fremden Realität zu stranden, wo ihm eine unbestimmte Zukunft bevorstand.

„Es tut mir leid“, sagte Mazeka. „Ich kann Eurer Bitte nicht zustimmen.“

„Das würde uns wirklich schmerzen“, antwortete das Große Wesen, „wenn es denn eine Bitte gewesen wäre. Das war es nicht.“

Chirox und Vamprah tauchten aus der Finsternis auf und packten Vultraz. Mazeka wollte sie aufhalten, nur um festzustellen, dass Teridax ihm den Weg versperrte.

„Ich habe die Verderbnis in seinem Geist gesehen“, sagte der Makuta. „Und viel mehr... Dinge, die mich beschämen. Ich habe in einen verzerrten Spiegel geschaut, einen den ich liebend gern zu Scherben zerschlagen würde. Er wird nicht mehr und nicht weniger bekommen, als er verdient.“

„Ihr versteht nicht“, sagte Mazeka, als Vultraz weggeschleppt wurde. „Er ist meine Verantwortung.“

„Er ist niemandes Verantwortung außer seine eigene“, sagte Teridax. „Wenn du nichts anderes aus deiner Zeit hier lernst, so lerne wenigstens das.“

„Triff deine Wahl“, sagte eines der Großen Wesen. „Es ist Zeit für dich, zu gehen.“

Mazeka überlegte. Wollte er jemanden mit sich zurücknehmen, und wenn ja wen? Macku? Kapura? Ein Großes Wesen? Gab es irgendjemanden, der in dem Kampf helfen konnte, der Zuhause gerade vor sich ging?

Und dann fiel ihm die Antwort ein. Er wandte sich zu Teridax um und sagte: „Du.“

Teridax nickte. „Durch den Spiegel, also...“

„Und deine Chance, ihn zu zerschlagen“, sagte Mazeka.

„Dann mache dich bereit“, sagte das Große Wesen. „Wir beneiden dich nicht um deine Reise oder um dein Ziel. Aber es ist eine Reise, die nichtsdestotrotz getan werden muss... und ein Ziel, das vielleicht nur du retten kannst.“

Wird fortgesetzt in Herrschaft der Schatten!

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